Auf der Bio-Spur: Waschmittel (Teil 1)

Bio-Waschmittel?

Nachdem ich meine gefühlt tausend verschiedenen Waschmittel geleert habe, hab ich mir endlich mal Gedanken über deren Inhalt gemacht. Ich bin bei Waschmittel bisher nicht sehr kreativ gewesen und nutze schon seit 10 Jahren das Gleiche. Das liegt auch daran, dass ich immer Angst hatte, dass ich anderes Waschmittel nicht vertrage. Nun möchte ich also mal reflektieren, ob das bisherige Waschmittel denn überhaupt Sinn macht (ich hab da so meine Befürchtungen) und im nächsten Teil werden ich mich dann den Alternativen widmen. Ihr dürft mir auch gerne Tipps geben, worauf ihr beim Waschen achtet :-)


Bisher in Verwendung:

Weißer Riese

In letzter Zeit hatte ich nur noch das Color Gel mit Farbschutz-Formel im Einsatz, das ich für meine 60°C Wäsche verwendet habe, früher auch immer mal wieder das Universal-Gel. Pulver habe ich nie verwendet, da ich keine weißen Rückstände auf meiner schwarzen Wäsche haben wollte.

Nun gut, was ist also drin: 

Inhaltsstoffe von Weißer Riese

Coral Optimal Color

Ich frage mich ehrlich gesagt selbst, warum ich noch ein weiteres Waschmittel besitze, denn beide sind sowohl für 40°C als auch für 60°C Wäsche geeignet. Gewohnheit wohl...denn das Corla Waschmittel hatte ich bisher nur für die 40°C Wäsche im Einsatz. Das ist drin:

Inhaltsstoffe Coral Waschmittel

Lenor Aprilfrische

Jetzt schon einige Monate nicht mehr im Einsatz, aber davor habe ich mir nie Gedanken über die Umweltschädlichkeit von Weichspüler gemacht. Lenor war daher meistens bei meiner 40°C Wäsche im Einsatz. Inhaltsstoffe:

Inhaltsstoffe Lenor Weichspüler

Domol Hygiene-Spüler

Eine verhältnismäßige neue Angewohnheit von mir ist es einen Hygienespüler zu verwenden. Grundsätzlich bin ich eigentlich der Meinung, dass das nicht nötig ist. Dennoch habe ich das Gefühl, dass meine Wäsche danach besser riecht. Vorher hatte ich trotz den tausend Duftstoffen im Waschmittel oft das Gefühl, dass die Wäsche zum Teil muffig riecht. Daher also:

Inhaltsstoffe domol Hygiene-Spüler

Wasserenthärter

Seit ich eine Waschmaschine besitze verwende ich Wasserenthärter. Wir haben in unserer Gegend sehr hartes Wasser und man soll dadurch ja bekanntlich Waschmittel sparen und auch länger was von seiner Maschine (was bis jetzt toi toi toi auch geklappt hat). Lange Zeit habe ich flüssigen Kalkschutz verwendet, seit einigen Monaten nehme ich die etwas umweltschonendere Verpackung und somit Pulver. Drin ist:

Inhaltsstoffe domol Wasserenthärter

Wäsche-Weiss Tücher

Kommen wir zum letzten Produkt, dass ich für meine weiße Wäsche verwende. Puristische Inhaltsstoffliste, ob das gut ist werden wir noch sehen:

domol optischer Aufheller

Umweltschädlichkeit von Waschmittel

Wie man ja schon sehen kann, sind die Inhaltsstoffe im Waschmittel immer relativ gleich. Hauptbestandteile sind:

 

- Tenside (um den Schmutz zu lösen)

- Konservierungsmittel (für die Haltbarkeit bei Flüssigwaschmitteln)

- Duftstoffe (für den tolle "Frisch-Gewaschen-Geruch")

- Füllstoffe (bei Waschpulver - XXL Packungen)

Tenside

Die erste Frage, die sich bei den Tensiden stellt ist die Herstellung. Einige werden aus Erdöl oder Palmöl hergestellt. Ein Bio-Waschmittel enthält daher Tenside aus nachwachsenden Rohstoffen.

Laut gesetzlicher Regelung müssen Tenside nach 28 Tagen vollständig abgebaut sein. Bis dahin belasten sie allerdings die Umwelt. Über die Arten und Wirkung der Tenside habe ich bereits hier schon mal geschrieben. Einige wirken auch sehr hautirritierend und lösen oft Allergien aus, wie es bei Weichspüler der Fall ist.

Konservierungsmittel

Es gibt zahlreiche Konservierungsstoffe. Sie sollen Mikroorganismen abtöten um Waschmittel, Weichspüler und Co. länger haltbar zu machen. In Waschpulver werden aufgrund des niedrigen Wassergehaltes keine Konservierungsmittel benötigt. Man kann Konservierungsstoffe ganz grob in folgende Gruppen einteilen:

  • Organische Säuren: Benzoensäure, Sorbinsäure, Phenoxyethanol
  • Isothiazolinone: z..B. Methylchlorisothiazolinone, Methylisothiazolinone, Benzisothiazolinone, Octylisothiazolinone
  • Formaldehydabspalter (setzen kontinuierlich kleine Mengen Formaldehyd frei)

Konservierungsstoffe müssen einzeln aufgelistet, aber nicht als Konservierungsstoffe bezeichnet werden, was die Zuordnung natürlich erschwert. Einige Konservierungsmittel wirken sensibilisierend (z.B. Methylchlorisothiazolinoneund) und müssen ab bestimmten Mengen den Warnhinweis "Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich" tragen. 

Eine zulässige Höchstkonzentration gilt nur für Formaldehyd (<0,2%). Formaldehyd gilt als krebserregend und kann verschiedene Reaktionen wie Kopfschmerzen und Asthma auslösen.

Für die Umwelt sind vor allem Biozide (hierzu gehören die Isothiazolinone) problematisch, da diese nicht nur Mikroorganismen im Waschmittel abtöten sondern auch Mikroorganismen in den Gewässern schädigen.

In Biowaschmittel wird auf organische Säuren als Konservierungsmittel zurück gegriffen.

Duftstoffe

Wer schon länger bei mir liest weiß, dass ich mit Duftstoffen nicht ganz so viel anfangen kann. Einige sind stark irritierend und allergisierend und ich meide sie wo es geht. Beim Waschmittel habe ich darauf allerdings nicht wirklich geachtet. Welche Duftstoffe kennzeichnungspflichtig sind und wie sie auf den Körper wirken können, könnt ihr hier nachlesen. Nicht deklariert werden Moschusverbindungen, die nicht abgebaut werden können und in die Gewässer gelangen. Sie reichern sich nachweislich in Fischen an und sind z.T. auch beim Menschen im Blut nachweisbar (wahrscheinlich über die Aufnahme von Duftstoffen über Kosmetikprodukten, etc.). Soll ich hierzu mal einen extra Beitrag verfassen?

Füllstoffe

Sie werden gerne bei XXL Waschpulverpackungen eingesetzt. Meist wird hierfür Natriumsulfat verwendet. Dieses Salz wird von den Kläranlagen nicht gefiltert und kann zu einer Versalzung unserer Böden führen. Pflanzen, die einen mineralstoffarmen Boden gewohnt sind, sterben somit.

Weitere Inhaltsstoffe

Phosphate:

Sind meist Bestandteil von Wasserenthärter oder wie oben einer der Ersatzstoffe: Phosphonate, NTA, EDTA und Polycarboxylate. Egal ob Phosphate oder Ersatzstoffe, für die Umwelt ist das alles nicht so ideal. Die Giftstoffe gelangen über das Wasser in die Natur, führen zur Überdüngung bis hin zum Umkippen von Gewässern. Das ist für Wasserorganismen, Pflanzen und Tiere tödlich. EDTA löst außerdem Schwermetalle aus den Sedimenten. 

Hier gibt es aber ganz gute Alternativen. In Bio-Enthärtern sind die Stoffe Zeolith A, Citrat oder Silikate im Einsatz.. Auch Polyasparaginsäure lässt sich ganz gut abbauen, wird aber aus Erdöl gewonnen.

 

Bleichmittel/ optische Aufheller:

Typische Bleichmittel sind Natriumperborat, Natriumpercarbonat, die bei 60°C aktiv werden und Wasserstoffperoxid freisetzen (Sauerstoffbleiche). Chlorhaltige Stoffe werden in der Regel nur noch in der Industrie verwendet.  

 

Natriumperborat sollte man unbedingt vermeiden, weil im Abwasser daraus für Wasserorganismen giftige Borsalze entstehen. Natriumpercarbonat hingegen kommt auch in Öko-Bleichmitteln zum Einsatz, es ist für Pflanzen ungiftig.

 

Optische Aufheller sollen vergilbte Wäsche wieder weiß wirken lassen. Das passiert in dem nicht sichtbares UV-Licht in blaues Licht umgewandelt wird. Allerdings verbleiben optische Aufheller in der Wäsche. Das kann hautreizend wirken und Allergien auslösen. Sie sind außerdem nur schwer biologisch abbaubar. 

Ohne sich überhaupt mit Bio-Waschmittel zu befassen, kann man also schon mal ein paar Dinge beachten:

Umweltschonend waschen

Siegel Nachhaltigkeitsinitiative

Ein nettes Siegel ist mir auf all meinen Produkten aufgefallen. Das Siegel "Eine freiweillige Nachhaltigkeitsinitiative der A.I.S.E. - www.cleanright.eu". Und nachdem ich mich mit den Inhaltsstoffen befasst habe, frage ich mich: Was zum Teufel soll das aussagen?? Ich kann es euch  nicht wirklich beantworten. A.I.S.E ist wohl eine freiwillige Initiative der Industrie, die Hersteller ermutigen soll, nachhaltiger herzustellen und Verbraucher nachhaltiger zu verwenden. Die genauen Kriterien konnte ich aber nicht ausfindig machen. Für Infos bin ich euch sehr dankbar :-).

Erfüllt die Standard-Kriterien

Erfüllt höhere Anforderungen


FAZIT

Was soll ich sagen, ich habe so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Duftstoffe aus der Kosmetik verbannen kommt mir nun nicht ganz konsequent vor, vor allem da ich immer wieder Hautreizungen habe und nicht weiß wo sie herkommen.... Ich bin nun gespannt auf die Alternativen!

Verlinkt bei: einfach.nachhaltig.besser.leben

#biowaschmittel #waschen #schadstoffe #waschmittelinhaltsstoffe


Meine zwei letzten Beiträge zum Thema Bio-Spur:


Worauf achtet ihr beim Waschmittelkauf? Besitzt ihr viele verschiedene Waschmittel oder habt ihr es gerne übersichtlich? Habt ihr Tipps fürs umweltschonende Waschen?

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Kommentare: 5
  • #1

    Fjonka (Mittwoch, 14 Dezember 2016 11:30)

    Das finde ich jetzt wirklich interessant - wir verzichten schon länger auf konventionelle Waschmittel und nehmen Bio oder aber Efeublätter. (Weichspüler, Weißmacher etc hatte ich nie bverwendet und Baukasten-Mittel genutzt) Aber das war alles eher "Bauchgefühl". Jetzt freue ich mich fundiert, sozusagen, ;-) und habe auch eine Grundlage, falls ich mal argumentieren möchte. Vielen Dank dafür, denn ich selbst bin ausgesprochen faul im recherchieren!
    Ich bin gespannt, zu welchen Alternativen Du greifen wirst.

  • #2

    Maria Widerstand (Mittwoch, 14 Dezember 2016)

    Hallo!

    Ja, das ist ein weites Thema. Als meine Kinder zur Welt kamen habe ich mal gelesen, das die billigsten Maschmittel die ökologisch am verträglichsten sind, weil am wenigsten dazu gepackt wird.

    Daran habe ich mich lang gehalten. Weichspüler habe ich gar nie verwendet. Ich mag den künstlichen Geruch einfach nicht.

    Nun habe ich einige Alternativen probiert. Derzeit waschen wir meist mit Kastanienwaschmittel.

    Finde ich super, dass Du dieses Thema so professionell aufgreifst. Danke fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maria

  • #3

    Karin | Kosmetik Natürlich (Mittwoch, 14 Dezember 2016 18:04)

    Ich habe schon einige Biowaschmittel durch. Oft fängt nach ein paar Monaten die Wäsche an zu muffeln. Sehr unschön, auf der Arbeit geht das gar nicht, wenn man nach ein paar Stunden miefig riecht - und dann ist man es noch nicht Mal selber, sondern die Klamotten. Derzeit bin ich wieder bei Planet Pure gelandet, ein Flüssigwaschmittel auf Waschnussbasis. Flecken muss ich vorbehandeln, und ich gebe Natron als Waschkraftverstärker hinzu. Bis jetzt läuft es gut *auf Holz klopf*.

  • #4

    Anja (Freitag, 16 Dezember 2016 13:45)

    Hallo Du!
    Also, in meinem Waschmittelschrank sieht es recht übersichtlich aus:
    Ein Colorwaschmittel für alles "Normale! (gerne ein etwas grüneres)
    Ein Feinwaschmittel
    Ein Wollwaschmittel
    Ein selbstgemachtes Waschmittel aus Soda und Kernseife für die Windeln (längere Zeit hab ich das auch für die normale Wäsche genommen, aber die Enzyme in den konventionellen Sachen bekommen einfach mehr Flecken und Grauschleier raus)

    Dazu warten noch zwei große Gläser zerkleinerte Kastanien auf ihren Einsatz.

    Generell dosiere ich sehr wenig Waschmittel, da mich der Parfümduft eher stört. Manchmal riecht es beim Selbstgemachten auch etwas muffig, geht aber eigentlich nach dem Trocknen wieder weg, v.a. wenn die Wäsche an der frischen Luft hängt.

    Einwas würde mich noch interessieren: Warum Pulver statt flüssigem Waschmittel?

    Liebe Grüße und viel Spaß beim weiteren Forschen!
    Anja

  • #5

    das.beschäftigt (Freitag, 16 Dezember 2016 15:03)

    Hallo ihr Lieben!
    Vielen Dank für eure Kommentare. Schön, dass ihr eure Erfahrungen mit mir teilt. Ich bin sehr gespannt, ob ich auf Dauer mit Öko-Waschmittel zufrieden bin, ich denke es wird ein Durchtesten. Kastanien wollte ich auch schon ausprobieren, mein Freund hat dann nur mit den Augen gedreht nach dem Motto "so Öko müssen wir doch auch nicht werden", aber ich glaube so langsam hab ich ihn soweit ;-)
    @Anja: In Flüssigwaschmittel sind viele Konservierungsstoffe enthalten, die sehr umweltschädlich sind und zum Teil auch schlecht vertragen werden, das kann man sich sparen, wenn man zu Pulver greift. Trotzdem kann natürlich auch Pulver unerwünschte Stoffe enthalten (siehe Füllmittel oder Bleichmittel).
    Liebe Grüße
    Jenny