Auf der Bio-Spur: Kaffee

Auf der Bio-Spur: Kaffee

 

Die Sommerpause ist vorbei, es geht endlich wieder los auf meinem Blog :-) Einen Monatsrückblick spar ich mir, ich würde euch nur mit Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Polterabende und Co. langweilen ;-)

Weiter geht es mit der Bio-Spur!

 

Wahrscheinlich habt ihr es schon gemerkt. Ich habe ein Faible für Kaffee!

 Nicht, dass ich besonders viel davon trinke, aber eben besonders gerne!

Bisher bin ich beim Kauf nur nach Geschmack gegangen, bis ich vor ein paar Wochen die Bio-Kaffee-Pads von Rewe entdeckt und getestet habe. Wenn ich nun schon Bio-Kaffee kaufe, möchte ich natürlich auch wissen, was dahinter steckt. Hier gibt es ein paar Antworten... 


Probleme beim konventionellen Kaffeeanbau

Kaffeebohnen

Kaffee ist eins der Lieblingsgetränke der Deutschen. Viele möchten vor allem einen günstigen Kaffee, denn der hohe Verbrauch macht sich im Geldbeutel schnell bemerkbar. Aber für welchen Preis? Brasilien ist Hauptanbauland für Kaffee und auch Spitzenverbraucher, wenn es um den Einsatz von Pestiziden geht. Pestizide schützen die Pflanzen vor Ungeziefer und Schimmelbefall und sind hoch giftig. Was genau Pestizide sind, warum sie eingesetzt werden und welche negativen Wirkungen sie haben könnt ihr hier nachlesen.

 

Fakt ist, dass vor allem die Arbeiter auf den Plantagen täglich mit den Giftstoffen in Berührung kommen. Mittlerweile tragen zwar fast alle Arbeiter Schutzkleidung, aber natürlich wird auch der Boden vergiftet und das Wasser, welches in der näheren Umgebung getrunken wird. Auch die Kaffeekirschen-Pflücker sind ungeschützt und arbeiten in nächster Nähe, wenn Pestizide versprüht werden.

 

Einige Pestizide sind in Deutschland verboten, allerdings gilt das Verbot nicht für die Import-Ware. Auch die Anwendung der Pestizide erfolgt oft nicht nach der offiziellen Empfehlung der Pflanzenschutzhersteller, sondern wird viel öfters eingesetzt.

 

Es kommt immer wieder zu Erkrankungen der Arbeiter, wie Parkinson, Krebs und bei Schwangeren zu Fehlgeburten. Leider werden die Erkrankten oft von den Arbeitgebern bedroht, so dass sie keine Aussage bzgl. der Arbeitsbedingungen machen. 

 

Kaffeepflanzen werden im konventionellen Anbau in Monokulturen angebaut, was dem Boden zusätzlich zu den Pestiziden schadet. Besonders die Wege zwischen den Pflanzenreihen werden verstärkt mit Pestiziden behandelt. So kann hier nichts wachsen und Maschinen, die die Kaffeekirschen auflesen, haben freie Bahn. Denn die Pflücker sind für viele Unternehmen, trotz Hungerlohn, noch zu teuer.

 

Selbst beim Trocknen der ungeschälten Kaffeekirschen werden Fungizide (gegen Pilzbefall) versprüht. Auch das Verschiffen funktioniert nicht ohne Gift. Damit die Kaffeebohnen im Container nicht schimmeln, werden die Container mit Pflanzenschutzmittel begast.

Grafik: Probleme konventioneller Kaffee-Anbau

Gesundheitsgefahren für den Verbraucher

Die viel eingesetzten Pestizide werden zum größten Teil durch Hitze und somit durch die Röstung der Kaffeebohne abgebaut. Daher sind in der Regel keine Pestizidrückstände in den gerösteten Kaffeeprodukten nachzuweisen. Die Suche danach wird jedoch immer schwieriger, da oft Pestizide eingesetzt werden, die im Labor noch gar nicht bekannt sind.

Wie funktioniert Bio-Kaffee?

Bio-Kaffee-Pads von Rewe

Das Bio-Siegel garantiert für einen pestizidfreien Kaffeeanbau. Um das möglich zu machen, wird beim Bio-Anbau möglichst auf Pflanzenvielfalt gesetzt. Neben Kaffee werden, Bananen, Orangen, Zitronen und Papaya angepflanzt. Bei der Trocknung wird der Kaffee mehrmals täglich gewendet um Schimmelbefall vorzubeugen. Das geht natürlich nur mit ausreichend Personal. Dies wird oft doppelt so hoch vergütet, dafür ist der Kaffee oft auch doppelt so teuer. Soziale und ökonomische Aspekte sind allerdings nicht durch das Bio-Siegel festgelegt.

Was können die anderen Label?

Logo: Fairtrade, ProPlanet, UTZ

Nicht nur das Bio-Siegel ist auf meinem Kaffee zu finden, oft lassen sich noch andere Labels identifizieren (bedeutet nicht automatisch Bio-Kaffee).

Neben unabhängigen Initiativen gibt es auch einige Unternehmen, die ihre eigenen Richtlinien und Siegel vergeben und damit direkt ihre Produkte vertreiben. Hiermit habe ich mich noch nicht beschäftigt, bin aber beim Recherchieren zum Beispiel über Coffee Circle GmbH und Ulrich Walter GmbH (Lebensbaum) gestolpert und auch die GEPA mbH ist mir noch aus meiner Schulzeit bekannt.

Ich möchte euch aber kurz die unabhängigen Siegel vorstellen. Das sind in der Regel Vereine oder Organisationen, die Lizenzverträge mit Handelspartnern abschließen, die ihre Standards (Richtlinien) erfüllen.

Fairtrade

Ziel von Fairtrade: Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von benachteiligten Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika
  • Unabhängige internationale non-profit Organisation
  • Wird in Deutschland von Transfer e.V. vertreten
  • Fairtrade setzt sich nicht unbedingt für die nachhaltigen Aspekte ein sondern, wie der Name schon sagt, für den fairen Handel
  • Das bedeutet mehr Zusammenschlüsse von Kaffeekleinbauern zu Kooperativen. Dadurch höhere Verhandlungsmacht, vereinfachte Finanzierung (Zugang zu Krediten, gemeinsame Anschaffungen) und gegenseitiger Austausch
  • Es gibt einen Fairtrade-Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie, die für soziale Projekte und produktivitätssteigernde Maßnahmen investiert wird
  • Die Bauern erhalten Beratung bei der Einhaltung der Fairtradestandards
  • Neben dem Mindestpreis und der Prämie umfassen die Standards das Verbot von illegaler Kinder- und Zwangsarbeit, Verbot von Diskriminierung, Aufschlag für biologisch angebaute Produkte und Umweltstandards
  • Rückverfolgung über den Fairtrade-Code

Rainforest Alliance

Ziel von Rainforest Alliance: Erhalt der Artenvielfalt und umweltverträgliche Landnutzung
  • Internationale Umweltschutzorganisation
  • Die Rainforest Alliance handelt nach den Sozial- und Umweltstandards der SAN
  • SAN (= Sustainable Agricultural Network) ist ein Netzwerk von lateinamkerikanischen Umweltschutzgruppen
  • Das Rainforest Alliance Zertifikat wird für strikte Nachhaltigkeitsstandards vergeben. Zertifiziert werden Kaffee, Schokolade, Tee, Früchte, Papier und Möbel
  • Zu den Nachhaltigkeitsstandards gehören:
    • Weniger Wasserverunreinigung durch Pestizide, Abwasser, Abfall, etc.
    • Weniger Bodenerosion durch Erhalten von Pflanzen
    • Verbot von besonders schädlichen Pestiziden, dadurch Schutz für Umwelt und Mensch
    • Schutz von Pflanzen und Wildtieren
    • Kompostieren von Abfällen sowie Recycling, wenn möglich
    • Wassersparmaßnahmen
    • Verbesserung der Betriebsführung
    • Farmarbeiter profitieren von angemessene Löhnen, sicheren Arbeitsbedingungen, sauberes Trinkwasser sowie Bildung, auch für die Familie
    • Mehr Einfluss beim Verkauf von Erzeugnissen, bessere Profittabilität und Zugang zu Krediten
    • Zusammenarbeit zwischen den Farmen und Naturschützern

UTZ

Ziel von UTZ: Stärkung eines offenen und transparenten Marktes für sozial- und umweltverträgliche Produkte
  • Non-profit Organisation mit einem Nachhaltigkeitsprogramm für Kaffee, Kakao und Tee
  • Vergibt das Gütesiegel für Einhaltung eines Verhaltenskodex durch die Landwirte
  • Die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe wird garantiert
  • Standards für den Kaffeeanbau sind unter anderem:
    • Schulung der Arbeiter
    • Arbeitssicherheit
    • Verbot von Kinderarbeit
    • Gesundheitsversorgung für Arbeiter und Familie
    • Minimierung von Wasser-, Energieverbrauch und Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel
    • Verbot der Urwaldrodung
    • Artenschutz

Bio-Verbände

Auch Naturland und demeter Siegel findet man gerne auf Bio-Kaffee. Die Richtlinien sollen hier nochmal strenger sein als beim normalen Bio-Siegel.

Bei den tierischen Produkten ist das leichter nachzuvollziehen, direkte "Kaffeerichtlinien" habe ich, auch auf Nachfrage, nicht erhalten. Hier sind die allgemeinen Richtlinien für landwirtschaftliche Nutzung der Verbände gültig.

demeter

Die allgemeinen Richtlinien von demeter findet ihr hier.

Eine typische Kaffeeplantage, die demeter zertifiziert ist, ist die Finca Irlanda in Mexiko (Henauer Kaffee). Hier wird unter anderem auch auf eine umweltfreundliche Verpackung geachtet, die kein Aluminium enthält und zu 100% recycelbar ist. Außerdem gibt es eine Baumschule, Bienenzucht, Wohnungen für Arbeiter, Grundschule und Unterricht für Erwachsene sowie eine medizinische Klinik. Kaffeepads suche ich allerdings vergeblich demeter zertifiziert oder hab ich das was übersehen?

Naturland

Die allgemeinen Richtlinien von Naturland findet ihr hier.

Naturland zertifiziert ist z.B. die Finca Brack (Brack Kaffee). Neben den landwirtschaftlichen Richtlinien werden auch soziale Aspekte beachtet. Dazu zählen: Langfristige Anstellung bei gerechter Entlohnung, Unterkunft und Sozialleistungen. 

Neben dem Naturland Siegel gibt es mittlerweile noch das Siegel "Naturland fair", welches faire Erzeugerpreise, regionalen Rohstoffbezug, soziale Verantwortung, gesellschaftliches Engagement, verlässliche Handelsbeziehungen und Transparenz garantiert. Die ausführlichen Richtlinien findet ihr hier.

Preis, Geschmack und Fazit

Ich zahle für meine Bio-Kaffeepads von Rewe 3,49€ für 30 Pads. Davor hatten wir oft die Pads der Rewe Eigenmarke für 1,79€ (16 Pads). So gut wie kein Unterschied!! Auch Rossmann und Alnatura haben Kaffeepads in diesem Preissegment. Selbst die Naturland zertifizierten Kaffeepads "Café piano" von Gustoni kosten bei denns nur 1,99€ (18 Pads).

Da kaufe ich doch gerne Bio, vor allem schmeckt der Kaffee richtig gut ;-).

 

Trotzdem macht für mich die Preisgestaltung noch nicht so richtig Sinn. Ich würde gerne genauer wissen, warum Bio-Kaffee zum Teil so günstig angeboten werden kann und zum Teil so teuer ist und das von der gleichen Marke mit gleichem Siegel. Der gemahlene Kaffee von Café piano ist zum Beispiel wesentlich teurer (bei Amazon 500g = 10,81€) im Vergleich zu herkömmlichen Gala Kaffee 500g = ca. 5,50€. 

 

Gebt mit gerne Tipps und Literaturempfehlungen, wo ich hier nochmal nachforschen kann.

 

Bis dahin bleib ich auf jeden Fall bei meinem günstigen Bio-Kaffee ;-)

Quelle

Blogparade: einfach.nachhaltig.besser.leben

#biokaffee #fairtrade #kaffeeanbau #rainforstalliance

 


Meine zwei letzten Artikel zum Thema:


Welche Siegel finden sich auf eurem Kaffee und was bedeuten sie? Muss euer Kaffee demeter oder Naturland zertifiziert sein oder reicht euch das Bio-Siegel? Wie steht ihr zu Fairtrade? Und was sagt ihr zu den Kaffeepreisen?

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Tabea (Montag, 05 September 2016 19:45)

    Beim Kaffee waren mir all diese Probleme nie so recht bewusst, dabei finde ich Pestizideinsatz total furchtbar. Da bin ich gerade echt froh, keinen Kaffee mehr zu trinken, denn bei meinem früheren Verbrauch würde es furchtbar ins Geld gehen, auf Bio umzusteigen - was nun aber nötig wäre, wo ich doch informiert worden bin von dir ;)

    Kaffeepads wären für mich nie eine Option gewesen, weil die so viel Müll machen. Ich glaube, Kaffeefilter sind zwar massemäßig eher mehr Müll, aber dafür eben kompostierbar, sodass ich die nicht so schlimm finde.

    Das Fairtrade-Siegel und utz kenne ich auch - unsere Schokokekse waren immer von utz zertifiziert. Generell finde ich aber die Vorgaben von der rainforest-Initiative auch spitze - sowas müsste man einfach flächendeckend und ausschließlich haben. Meiner Meinung nach sollte die Politik nämlich dafür sorgen, dass alle Lebensmittel fair und umweltverträglich sind, sodass solche Siegel überflüssig werden. Die meisten Leute geben eh nur sehr wenig vom Einkommen für Essen aus - da sollte eher auf eine unnötige neue Handtasche oder einen Tag Urlaub pro Jahr im Hotel verzichtet werden, als auf Qualität bei der Ernährung. Aber ich träume dann mal weiter...
    und werde mich zukünftig mal über Tee informieren. Den trinke ich nämlich öfters und nun, wo mir das mit dem Kaffee bewusst ist, ahne ich, das es um Tee nicht besser steht und ich eine neue Marke finden muss.

    Die Biosiegel kenne ich eigentlich eher von Obst und Gemüse und Milchprodukten - denn da achte ich sehr auf Bio. Aber auch bei Nudeln und Mehl inzwischen...

    Vielleicht haben die komischen Preise was mit der Sorte zu tun? Die eine Bohnenart ist vielleicht seltener/teurer/ertragsärmer, sodass sie auch ohne Siegel den Preis kostet, denn die günstige Sorte mit Siegel hat. Anders kann ich es mir nicht erklären.

    Liebe Grüße

  • #2

    Jenny Zeitvertreib (Freitag, 16 September 2016 09:21)

    Liebe Tabea,
    ich freu mich immer so über deine ausführlichen Kommentare :-) Danke dafür!
    Die normalen Kaffeepads sind soweit ich weiß auch kompostierbar, nur fällt wahrscheinlich mehr Verpackungsmüll an, daher finde ich die Verpackungsgröße mit 30 Pads von Rewe eigentlich ganz gut.
    Du hast Recht, Tee ist wahrscheinlich nicht weniger problematisch, auch hier findet man zahlreiche Siegel bei Bio-Tee. Damit habe ich mich noch nicht so genau beschäftigt. Aber zumindest das fairtrade Siegel ist da oft im Einsatz.
    Der Ansatz, dass die Preise etwas mit der Sorte zu tun haben wäre eine Möglichkeit....wer weiß!
    Liebe Grüße
    Jenny