Auf der Bio-Spur: Eier

Bio-Eier im Eierkarton mit Stempel

Jeden Tag ein (Bio-) Ei und sonntags auch mal zwei...

 

Als Landei kenne ich durchaus noch glückliche Hühner, umso erschreckender als ich in der Ausbildung die Stallgrößen in der Hühnerhaltung lernen musste.

 

Manchmal kann ich es kaum fassen, wie grausam  Menschen doch sein können (irgendwie glaubt man ja doch an das Gute im Mensch).

 

Sehen wir uns also mal die Haltungsformen, besonders die Bio-Haltung an.


Der Alltag unserer Legehennen

Quelle: www.oekolandbau.de/©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
Quelle: www.oekolandbau.de/©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Die traurige Wahrheit: Die meisten unserer Legehennen sehen schon vor ihrem Tod aus wie ein gerupftes Hühnchen. Mit 64% leben die meisten Legehennen in Bodenhaltung und sehen ihr ganzes (kurzes) Leben kein Stück blauen Himmel. Die meisten Hennen produzieren ungefähr 15 Monate Eier am Stück und enden dann als Suppenhuhn. Die eigentliche Lebenserwartung von Hühnern liegt zwischen 15-20 Jahren.

 

Die Küken erwartet also ein trauriges Leben. Und auch die männliches Küken haben nichts zu lachen. Sie werden direkt aussortiert und mit Gas oder durch Zerschreddern getötet. Sie sind für die Mast nicht zu gebrauchen, da sie auf eine hohe Legeleistung gezüchtet wurden. Jährlich werden in Deutschland also 50 Mio. Küken nach dem Schlüpfen entsorgt.

 

Geht es den Bio-Hühnern besser?

 Quelle: www.oekolandbau.de/©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan
Quelle: www.oekolandbau.de/©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Legehennen: Haltungsformen und ihre Merkmale

Die konventionelle Käfighaltung (Legebatterie) wurde bereits abgeschafft und durch die Haltung in Kleingruppenkäfigen ersetzt. Daraufhin haben viele Supermärkte die Eier aus Käfighaltung aus dem Sortiment genommen um ihr Image zu polieren. Mittlerweile ist nun auch das Ausstiegsdatum aus der Kleingruppenhaltung beschlossen. 2025.

Tabelle über Haltungsformen der Legehennen, ihre Merkmale und Preisgestaltung
Bio Ei im Eierbecher

Vor- und Nachteile der konventionellen Legehennenhaltung

Tabelle über die Haltungsformen der Legehennen mit Vor- und Nachteilen

Wie sieht es nun mit der ökologischen Haltung aus?

Bio Eier vom Biolandhof Schreiter (Bioland)

Die ökologische Haltung entspricht vom Grundsatz der Freilandhaltung mit deren Vor- und Nachteilen. Neben der etwas größeren Stallfläche liegt das Augenmerk vor allem beim Futter. Das Futter stammt hauptsächlich aus ökologischer Erzeugung, möglichst aus eigenem Betrieb. Gentechnisch verändertes Futter ist nicht zugelassen. Hierdurch kommt unter anderem der höhere Preis zustande.

 

Die Richtlinien schreiben außerdem vor, pflanzliche und homöopathische Medikamente bevorzugt einzusetzen. Erst dann darf Antibiotika zum Einsatz kommen.

 

Das systematische Schnabelkürzen ist untersagt, allerdings kann das natürlich zu starken Verletzungen unter den Hennen führen.

 

Des Weiteren haben die Hennen 8 Stunden pro Tag Nachtruhe ohne Kunstlicht und müssen mindestens ein Drittel der Lebenszeit Zugang zum Auslauf haben (findet ihr das viel?).

 

Generell sollte der Auslauf mit Hecken und Bäumen geschützt sein, da sich die Hennen sonst gar nicht raus trauen.

Erklärung: Eier Codierung (Stempel)

Bio-Verbände

Bioland und Naturland

Bioland betont nochmal, dass weder Krallen noch Schnäbel gekürzt werden. Außerdem soll es genug Bäume und Büsche auf der Grünfläche geben.

Die männliche Kükenproblematik versucht Bioland damit in den Griff zu bekommen, dass die Hennen an sich ein längeres Leben führen und dadurch weniger Nachwuchs (und somit auch weniger männliche Küken) benötigt wird. Einige Bioland-Bauern setzen auch in die Haltung von Zweinutzungsrassen. Auch Naturland setzt auf die Forschung des "Zweinutzungshuhns".

 

Neben den zusätzlichen Siegeln macht es auf jeden Fall Sinn den Ei-Erzeuger (in meinem Fall Bioland-Hof Schreiter und Bauernhof Familie Frey) zu googlen um einen Eindruck vom Hof zu bekommen und welchen Transportweg die Eier hinter sich haben.

Bio-Eier vom Bauernhof Familie Frey (Naturland)

Sind Bio-Eier gesünder?

Nein. Ernährungsphysiologisch gibt es keinen Unterschied zwischen konventionellen und ökologischen Eiern.

 

Das oft hellere Eigelb im Bio-Ei ist kein Qualitätsmangel sondern weist auf eine farbstofffreie Fütterung hin.

 

Generell kann es bei Eiern zu Dioxinrückständen kommen. Diese sind laut Studien bei den Bio-Eiern unter der Höchstgrenze. Bei Boden- und Freilandhaltung wurden die Höchstwerte mehrfach überschritten.

Dioxin kann Störungen der Atemwege, des Nervensystems, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes auslösen, sowie die Leber schädigen.

Die Realität

Natürlich gibt es auch in Bio-Ställen Missstände. Kranke kahle Hühner, die trotz Auslaufmöglichkeit das Leben im Stall verbringen. Ihr könnt euch darüber hier informieren und auch Videos dazu ansehen. Vor allem Bio-Höfe, die Discounter beliefern sollen betroffen sein.

 

Solch eine Realität macht natürlich wütend und machtlos. Die Alternative wäre also dann: Keine Eier mehr zu konsumieren.

Für mich kommt das nicht in Frage. Genauso wenig in Frage kommt, wieder auf eine konventionelle Haltungsform umzusteigen um dem Bio-Missbrauch aus dem Weg zu gehen. Ich bin mir auch bewusst, dass Stall und Auslauf immer noch ganz anders aussehen als ich es mir in meiner Fantasie vorstelle. Auch in einem Biostall gibt es Metall, Plastik, Gitter und nicht nur Stroh :-)

 

Wer die Möglichkeit hat Eier vor Ort zu kaufen und die Hühner auch gleich mal vor Ort betrachten kann (weil Sie im Hof oder auf der Wiese picken) ist natürlich bestens beraten. Dann ist es für mich auch nicht wichtig, ob der Hof Bio-zertifiziert ist. Denn mal ganz ehrlich: Mir ist es lieber, den Hühnern geht es gut und sie bekommen normales Futter, als umgekehrt.

 

Die Bilder die man auf den Webseiten der Höfe findet, können natürlich gefälscht sein!

FAZIT

Freiland vom Bauer vor Ort oder Bio. Was anderes ist für mich ehrlich gesagt nicht mehr akzeptabel :-D Die paar Euros mehr stören mich bei Eiern wirklich wenig, da unser Verbrauch nicht allzu groß ist. Meistens kaufe ich die Eier aus dem Bioladen, hier bekomme ich direkt weitere Infos über den Erzeuger als Flyer. Das macht die ganze Sache sehr sympathisch und vertrauensvoll.

 

Quelle

Blogparade: einfach.nachhaltig.besser.leben

#bioeier #biohaltung

 


Meine zwei letzten Artikel zum Thema:


Kennt ihr den Hof hinter dem Ei und legt ihr Wert darauf?

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Kommentare: 4
  • #1

    Maria (Dienstag, 16 Februar 2016 13:34)

    Hallo!

    Da hast Du ganz schön viel Wissen in Deinem Beitrag versammelt, danke für die vielen Infos!

    Von allem anderen Eiern außer Bio lasse ich nun schon seit mindestens 15 Jahren die Finger. Wenn man mal mit eigenen Augen gesehen hat, wie die Hühner in den Massenstallungen gehalten werden, reicht Bodenhaltung auf keinen Fall mehr aus.

    Hättest Du vielleicht Lust, Deinen Beitrag zur Blogparade "einfach.nachhaltig.besser.leben" zu verlinken?

    Infos dazu findest Du auf meiner Seite https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/a-linkparty-einfach-nachhaltig-besser-leben/

    lg
    Maria

  • #2

    Jenny Zeitvertreib (Dienstag, 16 Februar 2016 20:23)

    Hallo Maria,

    danke für deinen Kommentar. Ich denke Fakten bringen Menschen am ehesten zum Handeln ;-) und wenn man dazu noch etwas mit eigenen Augen sieht....

    Ich habe den Beitrag gerne auf EiNab verlinkt!

    Liebe Grüße
    Jenny

  • #3

    Fjonka (Dienstag, 16 Februar 2016 21:48)

    Hallo,
    viel Fundiertes - nur eines kann ich (die ich mehrere Bio-Hühnerhöfe aus eigener Anschauung kenne) noch ergänzen: ja, man sieht Metall und Co. Aber nein, das ist nichts schlechtes - denn dadurch haben die Hühner mehrere Ebenen zum sich-aufhalten (neben dem Freigelände, auf das sie bei den von mir gesehenen Höfen IMMER dürfen - aber nicht wollen) , Rückzugsmöglichkeiten und natürlich die Legenester. Und trotzdem ists sauberzuhalten, was bei NUR Stroh alles nicht ginge. Also durchaus gut für Mensch UND Huhn :-)

  • #4

    Jenny Zeitvertreib (Mittwoch, 17 Februar 2016 08:52)

    Hallo!
    Vielen Dank für deine zusätzliche Info und toll, dass du so gute Erfahrungen mit Biohöfen gemacht hast. Das motiviert und macht Mut :-)
    Viele Grüße
    Jenny