INCI: Silikone

INCI: Silikone

 

Puhhh!!

 

Da dachte ich, ich schreib mal eine kurze Info über Silikone und dann merke ich beim Recherchieren, dass selbst bei einem so ausgelutschten Thema, mehr Fragen als Antworten auftauchen.

 

Aus der kurzen Info ist also doch ein recht ausführlicher Post geworden. Nehmt euch etwas Zeit und vielleicht einen Kaffee oder Tee.

 

Viel Spaß ;-)


Was sind Silikone?

Um Silikon herzustellen muss Silicium aus Sand oder Kohle isoliert werden. Silicium ist zwar natürlicherweise in unserer Erdkruste enthalten, liegt aber nie isoliert vor sondern ist meist an Sauerstoff gebunden (Siliciumoxid).

 

Um aus dem Silicium Silikon herzustellen benötigt man Erdöl oder Erdgas.

Das Endprodukt "Silikon" wird chemisch auch als Polydimethylsiloxan oder einfach Siloxan bezeichnet.


Silikone erkennt man in aller Regel an der Endung -cone oder -xane.

(Bau-) Silikon und Silikoneiswürfelform

Wo werden Silikone verwendet?

Silikon gibt es in verschiedenen Ausführungen, z.B. als Siliconharz, -kautschuk und -öl. Somit ist es in fast allen Lebensbereichen anzutreffen: Im Auto, in der Waschmaschine, in Kosmetik,  Backformen, medizinischen Schläuchen, usw.

Welche Eigenschaften haben Silikone?

  • Kälteunempfindlich
    • Bleiben bis zu -50°C flexibel
    • Sehr praktisch für Eiswürfelbehälter
  • Hitzestabil
    • Bis zu 300°C
    • Das ist nicht nur für Backformen prima sondern auch für Schutzkleidung!
  • Beständig
    • Nahezu Resistent gegen UV-Licht, Chemikalien, Umwelteinflüsse und Mikroben
    • Schnuller sind somit bissfest und lassen sich leicht reinigen
  • Wasserabweisend
    • Wasser kann durch eine Silikonschicht nicht in Bauwerke dringen
  • Entschäumend
    • Verhindert oder reduziert unerwünschte Schaumbildung im Waschprozess
  • Flexibel
    • Für die gesamte Lebensdauer ohne Einsatz von zusätzlichen Weichmachern
  • Weich
    • Silikonöle verleihen einen weichen Griff, z.B. bei Wäsche, Kuscheltieren und Kosmetiktüchern
  • Gut verträglich
    • Allergische Reaktionen sind bisher nicht bekannt
Silikon-Pralinenform

Was bewirken Silikone in Kosmetik?

Haarpflege

 

Silikone finden sehr häufig Einsatz in Haarpflegeprodukten. Sie versiegeln das Haar und lassen es gesund aussehen. Das Haar fühlt sich geschmeidig an und ist besser kämmbar.

 

Silikon hat allerdings keine pflegende Wirkung. Das Haar sieht zwar schön aus, unter der Silikonschicht geht es jedoch weiter kaputt. 

Für den schnellen Soforteffekt ist Silikon also durchaus beliebt, für die dauerhafte tägliche Anwendung aber eher ungeeignet. Es lagern sich immer mehr Schichten auf dem Haar ab und beschweren es (Build it up), das Haar verliert an Schwung und es kann auch das Färben der Haare erschweren. Bedenkt, ihr habt nicht nur in eurem Shampoo Silikon, sondern auch in Haaröl, Haarkur, Stylingmittel, usw.

 

Grundsätzlich gilt natürlich sowieso - Kaputte Haare lassen sich nicht reparieren. Also vorher pflegen!!

 

Haut

 

Silikon erzeugt ein weiches, glattes und seidiges Gefühl auf der Haut. Zum Einen setzt es sich in die "Fugen" der Haut und erzielt somit einen Anti-Aging Effekt. Zum Anderen bildet Silikon eine Art Film, der die Haut vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Die Silikonbestandteile haften über Stunden auf der Haut, was besonders für Primer und Make-Up vorteilhaft ist.

 

Auch in Körperölen oder Bodylotions findet es oft Verwendung, da es sich nicht fettig anfühlt und Duftstoffe auf der Haut fixiert, also länger haltbar macht.

 

Dass sich Silikone auf der Haut schichten (wie bei den Haaren), ist eher untypisch, da das Gesicht und die Haut meist jeden Tag mit silikonfreien Produkten gewaschen wird. Gesunde Haut sollte also kaum ein Problem mit silikonhaltigen Produkten haben.

 

Trockene Haut kann allerdings unter der Silikonschicht weiter austrocknen. Unter der Silikonschicht sammelt sich hauteigene Feuchtigkeit und Hitze. Diese kann nicht oder kaum nach Außen abgegeben werden und wird dann beim Waschen herunter genommen. Die Folge: Die Haut mobilisiert weiter Feuchtigkeit aus tieferen Hautschichten und trocknet aus. Außerdem werden hauteigene Prozesse sowie die Hautflora durch den abdichtenden Effekt gestört. Neben der Austrocknung der Haut kann es auch zu Entzündungen kommen.

 

Silikone haben auch hier keine pflegende Wirkung. Bei Primer oder Make-Up ist das auch nicht notwendig. Pflegestoffe sollten optimaler Weise vor einem silikonhaltigen Produkt verwendet werden. Inwieweit die Pflegestoffe einer silikonhaltigen Creme in die Haut dringen, ist fraglich.

Kosmetikprodukte mit Silikon Haarpflege, Cremes

Was sind wasserlösliche und nicht wasserlösliche Silikone?

Hierüber streiten sich die Geister. Mittlerweile wird im Internet angepriesen auf wasserlösliche Silikone zurück zu greifen. Diese sollen mit dem Wasser ausgewaschen werden und somit keine negativen Auswirkungen auf Haut und Haare haben.


Einige wenige Seiten machen aber klar, dass das so nicht ganz stimmt.

Mal ganz logisch betrachtet, warum sollte ich wasserlösliche Silikone in ein Shampoo packen, wenn diese direkt wieder herausgewaschen werden? Wo bleibt der Silikoneffekt?

 

Ganz zu Anfang: Wasserlösliche Silikone gibt es nicht! Wie Öl löst sich Silikon nicht in Wasser! Aber es gibt einige Tricks, dass das Shampoo als homogene Masse vorliegt. Mit einem Emulgator verteilen sich Silikone so fein, dass es zu einer einheitlichen Masse wird (trotzdem nicht wasserlöslich).

Als Vergleich: Beim Kochen wird oft Eigelb (Lecithin) als Emulgator verwendet, wenn man Öl mit Wasser mischen möchte. Das Öl bleibt trotzdem wasserunlöslich.

 

Silikone sollen ja auch nicht vom Haar abrutschen sondern erstmal anhaften um ihre Wirkung zu entfalten!

 

Bei Silikonen gibt es nun zwei Möglichkeiten um sie emulgierbar zu machen. Entweder wurde das Silikon bereits so verändert, dass es sich leicht in Wasser verteilt oder im Produkt selbst wird ein Emulgator eingesetzt, der das macht.

 

Die veränderten Silikone werden meist durch Einsatz von PEG/PPG emulgierbar oder durch Einsatz von Fettalkoholen.

 

Was ist also mit den vielen Einteilungen im Internet ob ein Silikon wasserlöslich ist oder nicht (wie gesagt, die Bezeichnung ist so eigentlich nicht richtig)???

 

Generell legt sich erstmal jedes Silikon auf das Haar und trocknet an, das ist ja gewollt! Trotzdem gibt es Silikone, die sich etwas besser auswaschen lassen. Aber auch die sogenannten "nicht wasserlöslichen Silikone" lassen sich mit der Zeit auswaschen. Hier kommt es noch auf ganz andere Faktoren an, wie die im Shampoo enthaltenen Tenside.

 

Zu den Silikonen, die sich leichter entfernen lassen zählen:

  • Quaternium-80 (silikonbasiert)
  • Aminnopropyldimethicone
  • Amodimethicone (silikonbasiert)
  • Ethylendiaminopropyl Dimethicone

In Shampoo sind jedoch meistens hartnäckige Silikone enthalten, wie Dimethicone.


Für die Umweltfolgen ist es übrigens völlig egal, ob sich ein Silikon schnell oder langsam aus dem Haar wäscht!

 

Silikone im Shampoo Head&Shoulders

Sind Silikone gesundheitlich bedenklich?

Es gibt mittlerweile drei Siloxane, die in Tierversuchen auffällig und als gefährlich bzw. bedenklich eingestuft wurden.

 

Darunter zählt Octamethylcyclotetrasiloxan (D4) als INCI bekannt unter Cyclomethicone oder Cyclotetrasiloxane. D4 kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen sowie die Leber schädigen. D4 kann in Cremes, Deos oder Haarpflegemittel enthalten sein und wird von codecheck als eingeschränkt empfehlenswert eingestuft. 

 

Des Weiteren wird D5 (Decamethylcyclopentasiloxan) als krebserregend und schädlich für die Lunge eingestuft. Bekannt unter INCI Cyclopentasiloxane. Auch D5 wird in Cremes, Deos, Haarpflege oder Sonnenschutz verwendet und laut codecheck als eingeschränkt empfehlenswert eingestuft.

 

Zuletzt besteht der Verdacht, dass L2 (Hexamethyldisiloxan) eine Schädigung von Lunge und Niere hervorruft. L2 wird zum Beispiel in PET Flaschen verwendet.

 

Für D4 und D5 hat Großbritannien der EU eine Verwendungsbeschränkung vorgeschlagen!

 

Auch in Babyschnuller und Muffinbackformen kommen die beiden Siloxane vor. Daher Backformen und Schnuller vor dem Gebrauch richtig heiß abwaschen, das vermindert den Siloxangehalt.

Silikonpinsel und Silikonteigschaber

Sind Silikone bedenklich für unsere Umwelt?

Bedenklich sind Silikone vor allem, wenn sie direkt in Seen und Flüsse gelangen. Sprich beim Baden im See oder im Meer von der Haut ins Wasser übergehen. Oder eben in Ländern, die keine Kläranlagen besitzen!!

 

Besonders die Silikone D4 und D5 sind als wassergefährdend eingestuft und schwer abbaubar. Sie können sich in lebenden Organismen anreichern. Das wurde zum Beispiel beim Kabeljau bereits nachgewiesen.

 

Die meisten Silikone gelangen in die Luft, da sie sehr flüchtig sind. In der Luft werden sie in Anwesenheit von ultravioletten Strahlen abgebaut. Dabei sollen sie keinen besonderen Beitrag zur Erderwärmung leisten.

 

Eine große Menge Silikon gelangt durch Pflegeprodukte ins Abwasser und dann in die Kläranlage. Diese kann Silikone sehr gut herausfiltern, dass so gut wie kein Silikon im "Frischwasser" verbleibt. Die Silikone gelangen also in den Klärschlamm.

 

Dieser wird zum Teil verbrannt. Beim Verbrennen entstehen die gleichen Abbauprodukte wie beim Abbau an der Luft. Auch feste Silikone (Muffinformen) werden zum Abbau verbrannt.

Das Problem bei der Verbrennung ist, dass Siliciumdioxid (Sand) entsteht. Dieser Sand setzt Teile der Maschine zu. Es entstehen vermehrt Wartungsarbeiten, Wartungskosten und natürlich Müll durch kaputte Maschinenteile!

 

Ein weiteres Problem ist, dass Klärschlamm häufig als Dünger weiterverwendet wird und somit das Silikon in die Umwelt gelangt, sprich Gewässer und Böden. Silikone lassen sich im Boden nur sehr langsam abbauen und nur, wenn der Boden sehr trocknen ist.


Das genaue Ausmaß auf Umwelt und Mensch ist allerdings noch nicht abschätzbar. Man geht jedoch davon aus, dass die Silikonbelastung weiter zu nimmt und negative Folgen entstehen können.

FAZIT

In vielen Bereichen sind Silikone nicht mehr wegzudenken und das ist auch gut so. In der Medizin (und hiermit meine ich nicht die Kosmetische) bedeutet Silikon ein echter Fortschritt und auch in den Bereichen Fahrzeug, Küche, Bad ist es absolut sinnvoll. Aber mal ganz ehrlich...brauch ich es in der Kosmetik? Nein! Warum sollte ich mir Plastik ins Gesicht schmieren? Einige Produkte tummeln sich allerdings doch noch im Badschrank...

Zertifizierte Naturkosmetik ist übrigens generell silikonfrei.

 

Quellen


Meine zwei letzten Beiträge "Umstrittene INCI":


Habt ihr noch etwas Neues erfahren? Wo verzichtet ihr auf Silikone, wo findet ihr sie notwendig?

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