Auf der Bio-Spur: Obst und Gemüse

Quelle: www.oekolandbau.de/ ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
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Obst und Gemüse waren so ziemlich die ersten Lebensmittel, die ich in Bioqualität eingekauft habe.

 

Ganz am Anfang waren es Zitronen und Orangen, wenn ich die Schale verwenden wollte. Dann war es Obst und Gemüse, dass ich gerne mit Schale esse und mittlerweile ist es so ziemlich alles.

 

Und ich kann euch versprechen, wenn ihr mal 20 Zitronen in ein Wasserbecken legt und danach das Wasser betrachtet, kauft ihr auch nur noch Bio-Zitronen :-)

 

Beim Bestellen eines Caipirinhas versuche ich mich lieber nicht zu fragen, ob Bio-Limetten verwendet werden.

Aber das ist wieder ein anderes Thema...


Quelle: www.oekolandbau.de/©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
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Mir war auf jeden Fall irgendwann nicht mehr wohl dabei, ständig mit Pestiziden in Kontakt zu kommen. Auf einer Gesundheitsmesse teilte mir eine Heilpraktikerin einmal mit, dass besonders Menschen, die viel Obst und Gemüse konsumieren besonders mit Schadstoffen wie Pestiziden belastet sind (macht das Sinn?). Mal alle wissenschaftlichen Belege außer Acht gelassen, hat mich der Gedanke, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum doch irgendwie schädlich sein kann sehr beschäftigt. 

 

Und tatsächlich ist konventionelles Obst und Gemüse stark mit Pestiziden belastet. In einer kurzen Reportage von ARD plusminus wird deutlich, dass fast jedes Obst und Gemüse mit mehreren Pestiziden belastet ist. Egal, ob wir im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt kaufen. 

Quelle: www.oekolandbau.de/ ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
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Was sind Pestizide?

Pestizide (Pflanzenschutzmittel) werden eingesetzt um Pflanzen beim Anbau zu schützen. Je nach Schutzfunktion gibt es verschiedene Pestizide, z.B.

  • Schutz vor Insektenbefall wie Milben (Insektizide)
  • Schutz vor Pilzbefall (Fungizide)
  • Schutz vor Unkraut (Herbizide)

Welche Vorteile bringen Pestizide?

Wir als Verbraucher profitieren von makellos aussehendem Obst und Gemüse. Den eigentlichen Nutzen haben aber natürlich Hersteller und Industrie. Durch den Einsatz von Pestiziden verdirbt weniger Obst und Gemüse, es kann mehr angebaut und geerntet werden. Außerdem sind enge Fruchtfolgen und Monokulturen möglich. Die Industrie verdient sich zudem eine goldene Nase an dem Verkauf von Pestiziden.

Welche Nachteile gibt es?

Gesundheitsfolgen

 

Die größten gesundheitlichen Folgen haben natürlich die Landwirte, die die Pestizide auf dem Feld verteilen müssen, sprich in direktem Kontakt damit sind.

 

Die Pestizide sind giftig, krebserregend und schädigen das Nervensystem. In Frankreich ist daher Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt.

Einige der Schadstoffe sind außerdem hormonell wirksam.

 

Für uns Verbraucher steht vor allem das allergisierende Potenzial im Vordergrund. Oftmals reagieren wir gar nicht auf den Apfel mit Atemnot sondern auf den Chemiecocktail, der sich auf dem Apfel befindet.

 

Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Pestizide eine Rolle bei der Entstehung von entzündlichen Darmerkrankungen spielen und auch bei der Krebsentstehung als Risikofaktor einzustufen sind. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung.

 

Umweltfolgen


Pestizide sind nicht nur für unsere Gesundheit ein Problem sondern auch für die Gesundheit der Tiere.


Denn sie töten nicht nur Schädlinge sondern auch Nützlinge. Vor allem die Neonikotinoide (Stoffklasse der Insektizide) führen zum Bienensterben. Das wiederum die Folge hat, dass zahlreiche Pflanzen nicht mehr bestäubt werden und unsere Pflanzenvielfalt zurückgeht.

 

Neonikotinoide sind gut wasserlöslich und gleichzeitig schwer abbaubar. Somit reichern sie sich in Böden an und werden auch zur Gefahr für Schnecken, Fische und Würmer. Abbauprodukte von Pestiziden lassen sich im Grundwasser nachweisen.


Auch für das Vogelsterben werden sie verantwortlich gemacht, da sie den Feldvögeln die Nahrung rauben (Insektensterben).


Säugetiere wie Feldhasen und Feldhamster bekommen die negativen Auswirkungen ebenfalls durch die Nahrungsaufnahme zu spüren.

Wie viele Schadstoffe vertragen wir?

Es gibt wasserlösliche und fettbindende Schadstoffe. Fettbindende Schadstoffe machen das Zellsystem durchlässig und können somit andere Schadstoffe bis in die Zelle schleusen, die normalerweise nicht bis dahin vordringen können.

Je mehr unterschiedliche Pestizide desto höher das Gesundheitsrisiko. Bis zu 3 verschiedene Pestizide kann man im Körper noch gut auf ihre Wirkung untersuchen. Ab einer Anzahl von 5 verschiedenen Pestiziden wird die Wirkungsweise unklar und die Forschungen sind bislang unzureichend.  

  

Eine gesetzliche Grenze für die Anzahl der eingesetzten Pestizide gibt es bislang nicht. Lediglich eine Höchstgrenze für die einzelnen Stoffe ist festgelegt. Die Höchstwerte werden von der efsa momentan überprüft!

  

Verbraucherschützer bemängeln, dass belastetes Obst und Gemüse überhaupt verkauft werden darf, ohne das Wissen der Konsumenten!

Quelle: www.oekolandbau.de/ ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
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Wie belastet ist unser Obst und Gemüse?

Bei 20 Obst- und Gemüseproben aus konventionellem Anbau waren nur zwei frei von Pestiziden.

 

Besonders belastet waren:

  • Johannisbeeren mit 8 unterschiedlichen Pestiziden
  • Weintrauben mit 12 unterschiedlichen Pestiziden (2 davon krebsauslösend, 2 hormonell wirksam)

 

Laut dem Ökomonitoring 2014 wies Bio-Gemüse im Schnitt 320-fach niedrigere Pestizidmengen auf und Bio-Obst 80-fach niedrigere Mengen als konventionelles Obst und Gemüse. 

 

Von knapp 300 untersuchten Bio-Lebensmitteln waren lediglich 5 falsch gekennzeichnet und wiesen erhöhte Pestizidrückstände auf. Die Hälfte der Lebensmittel waren rückstandsfrei, die andere Hälfte wiesen Spuren von einzelnen Wirkstoffen auf. Dies kann durch Verunreinigung benachbarter konventioneller Felder kommen.

Wie funktioniert Bio-Anbau?

Der Bio-Anbau ist mit deutlich mehr Arbeit verbunden. Da keine synthetisch-chemischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden dürfen, muss vor allem auf eine gute Bodenbearbeitung (mechanisch) geachtet werden, sowie auf eine strikte Einhaltung der Fruchtfolgen. So können Unkraut und Schädlinge auf natürliche Weise reduziert werden. Auch Stickstoffdünger, z.B. aus pflanzlichen Reststoffen kommt zum Einsatz. Trotzdem erzielen Bio-Landwirte im Schnitt 30-50% weniger Erträge als bei konventionellem Anbau. Das und die Mehrarbeit rechtfertigt die höheren Preis für Obst und Gemüse. 

Quelle: www.oekolandbau.de/ ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler
Quelle: www.oekolandbau.de/ ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Ist Bio nun wirklich besser?

Im Bezug auf die Pestizidbelastung lohnt sich der Griff zum Bio-Gemüse und Bio-Obst definitiv! Denn nur sehr selten sind hier nennenswerte Pestizidrückstände zu finden. 

 

ABER! Bio ist nicht gleich Bio. Bio bedeutet zum Beispiel nicht automatisch regional. Und so finden auch Bio-Kartoffeln aus Ägypten oder sonst wo her den Weg in unser Bio-Regal (ich spreche hier nicht von Exoten, die eben nur in diesen Regionen wachsen). Hier lässt die Ökobilanz definitiv zu Wünschen übrig. Denn nicht nur der Transportweg schlägt zu Buche sondern z.B. auch der Wasserverbrauch, der in warmen Ländern natürlich wesentlich höher ist. Warum benötigen wir unbedingt Bio-Gemüse aus solchen Regionen?? Weil wir zu jeder Jahreszeit jede Obst- und Gemüsesorte unbedingt benötigen (merkt ihr meine Ironie?). Wer also nicht nur pestizidfrei sondern auch umweltschonend und frisch kaufen möchte, der kaufe bitte saisonal und unterstützt unsere regionalen Landwirte!

 

Wenn ihr einen Überblick über Obst und Gemüse der Saison haben möchtet, schaut euch doch mal die App vom aid infodienst an (aid Saisonkalender)!

Worauf ihr beim regionalen Einkauf achten solltet, könnt ihr hier nachlesen. Ein paar wenige Bio-Siegel, die auch Regionalität versprechen findet ihr hier.

 

Und wie sieht es nun mit der Verpackung aus?

Auch hier fragt man sich manchmal, ist das jetzt wirklich so ökologisch? Plastikverpackungen ums Biogemüse...einmal zum Schutz auf langen Transportwegen, aber hauptsächlich in Discountern, um den Käufern die Trennung von bio und konventionell zu gewähren. Wir haben das Glück einen Bioladen vor der Haustür zu haben, der das gesamte Obst- und Gemüse unverpackt auslegt. Nicht nur, dass man deutlich an Verpackungmaterial spart (bei Bedarf kann man aus Papiertüten oder biologisch abbaubare Plastiktüten wählen), man hat auch einfach die Möglichkeit genau die Menge zu kaufen, die man braucht. Und das schont den Geldbeutel und verringert den Lebensmittelabfall!

Bio-Gemüse oder gar keins mehr?

Der Vitamin und Mineralstoffgehalt von konventionellem Obst und Gemüse ist genauso hoch wie bei Biogemüse. Lediglich der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen ist bei konventionellen Lebensmitteln etwas geringer, da die Pflanzen weniger Eigenschutz benötigen (Sekundäre Pflanzenstoffe sind Schutzstoffe der Pflanzen und wirken sich sehr positiv auf unseren Körper aus. Wenn Pflanzen mit Pflanzenschutz bearbeitet werden, benötigen sie ihre eigene Schutzfunktion nicht mehr).

 

Vor ihr also ganz auf Obst und Gemüse verzichtet, solltet ihr definitiv auf konventionelles Obst und Gemüse zurückgreifen. Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig, auch wenn sie mit einigen Schadstoffen belastet sind.

 

Durch gründliches Waschen, Schälen und Kochen kann man Pestizidrückstände etwas reduzieren, allerdings gehen dabei auch einige der Vitamine und Mineralstoffe verloren. 

Tipss für den schrittweisen Umstieg

Ich bin ja auch kein Fan von "Allem oder Nichts". Von daher kann ich es durchaus verstehen, wenn ihr nicht sofort alles bio kaufen wollt. Man muss sich der Sache einfach schrittweise nähern.

 

Ihr könntet damit anfangen regionales Obst und Gemüse zu kaufen und lose Ware zu bevorzugen. So habt ihr schon mal einen Schritt für die Umwelt getan, weniger Transportwege, weniger Verpackung!

 

Außerdem lohnt es sich zu hinterfragen, für was verwende ich mein Obst und Gemüse? Esse ich es roh und mit Schale, dann besser Bio. Wird es sowieso geschält und/ oder gekocht, dann kann man auch erstmal bei konventionellem Gemüse bleiben. Auch beim Schälen von Obst und Gemüse darauf achten, dass ihr die Lebensmittel vorher gründlich wascht. Das gilt auch für Mandarinen oder Orangen! Oftmals werden diese ungewaschen geschält und dann direkt mit den "dreckigen" Händen in den Mund befördert.

 

Besonders problematisch finde ich übrigens auch den Verzehr von pestizidbelastetes Obst und Gemüse bei Kleinkindern, die ja noch viel empfindlicher regieren. Für mich ist es also kein Wunder, dass Allergien bei Kindern immer mehr zu nehmen!

 

Denkt mal darüber nach ;-)!!

 

Quellen

Verlinkt bei: einfach.nachhaltig.besser.leben

 #biogemüse #bioobst #pestizide


Mein letzter Beitrag zur Bio-Spur:


Kauft ihr Bio Obst und Gemüse? Was hält euch davon ab? Habt ihr euch schon mal Gedanken über Pestizide gemacht?

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