INCI: Parabene (hormonell wirksam)

INCI Parabene Kosmetikflaschen

 

  Zunächst möchte ich euch erklären, warum ich mich mit diesem kritischen Thema beschäftige. Mir geht es nicht darum, Stoffe schlecht oder gut zu reden. Ich möchte weder Panik noch Leichtsinn verbreiten, ich möchte euch einfach „nur“ informieren :-)!

Also let's go...


Warum sollte man auf Parabene achten?

Ich merke selbst immer wieder, wie wenig Ahnung wir davon haben, welche Stoffe wir täglich über Nahrung und Kosmetik zu uns nehmen. Natürlich sind hormonell wirksame Substanzen nicht sofort schädlich, denn die Konzentration ist entscheidend. Nur sind die Grenzwerte auch sicher? Nimmt jeder Mensch die Stoffe gleich über die Haut und den Darm auf, oder reagieren einige Menschen stärker auf chemische Substanzen?

 

Nur wenn wir wissen, welche Stoffe wo enthalten sind, können wir für uns entscheiden, ob uns die Menge als unproblematisch oder risikoreich erscheint und dementsprechend handeln. Teilt mir gerne eure Meinung dazu mit!

 

Den Artikel über die hormonell wirksamen Substanzen in Plastik findet ihr hier.

Kennzeichnung Parabene auf Kosmetik

Parabene, wo stecken sie drin und warum?

Sie werden als Konservierungsmittel eingesetzt, da sie vor Keimbefall schützen. Man findet sie in Kosmetikprodukten, Arzneimitteln und Lebensmitteln.

In Kosmetik haben sie ein geringes Allergiepotenzial und sind somit gut verträglich, oft wesentlich besser als andere Konservierungsstoffe.

Hier eine Abbildung vom BUND, die allerdings nicht nur Parabene berücksichtigt:

Grafik: Quelle BUND e.V. Anteil der mit hormonell wirksamen Chemikalien belasteten Produkte

Warum sind Parabene problematisch?

Grafik: BUND e.V. Gesundheitsrisiken hormonell wirksamer Chemikalien

Parabene und Kosmetik

Parabene können über die Haut in den Körper gelangen.

 

Aus Tierversuchen ist bekannt, dass einige Parabene das Hormonsystem beeinflussen können.

 

Methyl- und Ethylparabene haben zum Beispiel eine schwach östrogene Wirkung, werden aber bis zu einer Konzentration von 0,4% als sicher für alle Bevölkerungsgruppen angesehen.

 

Bei Propyl- und Butylparabenen liegt der Grenzwert bei 0,19%, da noch keine abschließende Bewertung möglich war.

 

Einige Parabene sind seit Oktober 2014 in der EU verboten, da ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden kann. Dazu zählen: Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparabene. Für mich stellt sich dann die Frage, warum waren sie überhaupt erst zugelassen?

 

Inwieweit die Parabene von der Haut aufgenommen werden hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ist die Haut intakt? Trage ich Parabene lange auf der Haut oder werden sie bspw. mit dem Duschgel direkt wieder abgewaschen? Weiterhin ist die Frage, ob die hormonelle Aktivität der, durch die Haut aufgenommenen, Parabene bereits schädlich ist.

Wie erkenne ich Parabene (Kennzeichnung)?

  • Methylparaben
  • Propylparaben
  • Ethylparaben
  • Butylparaben

 

Codecheck weist bei diesen Inhaltsstoffen darauf hin, dass sie hormonell wirksam sind. Der BUND hat eine eigene App dazu entwickelt: TOX FOX. 

Wie bei Codecheck werden die Produkte gescannt. Das Besondere; man kann direkt eine Mail an den Hersteller senden und ihn damit auffordern, keine hormonell wirksamen Produkte mehr zu verwenden. Durch diese Aktion haben einige Hersteller die Rezeptur überprüft und verbessert. 

Bild: BUND e.V. App ToxFox

Parabene und Lebensmittel

Für die Lebensmittelindustrie sind Parabene als Zusatzstoffe (E214-219) zugelassen und werden zum Beispiel zur Oberflächenbehandlung von getrockneten Fleischerzeugnissen verwendet, sowie für Süßigkeiten, Knabbereien und Pasteten.

 

Für Methyl- und Ethylparabene wurde ein ADI-Wert festgelegt. ADI bedeutet Accetable Daily Intake (zulässige tägliche Aufnahmemenge). Dieser beträgt 0-10mg/kg Körpergewicht.

 

Bei der Risikobewertung zeigten sich bei Dosen bis zu 1000mg/kg Körpergewicht pro Tag bei Ratten keine Auswirkungen auf die Sexualhormone und die männlichen Fortpflanzungsorgane.

 

 

Bei Propylparaben konnte ein solcher Wert nicht ermittelt werden. Bei einer Dosis von 10mg/kg Körpergewicht pro Tag kam es zu einer Verringerung der täglichen Spermaproduktion.

Kennzeichnung der Parabene in Lebensmitteln

  • E 214 – Ethyl-p-hydroxybenzoat / PHB-Ester
  • E 215 – Natriumethyl-p-hydroxybenzoat / PHB-Ethylester Natriumsalz
  • E 216 – Propyl-p-hydroxybenzoat
  • E 217 – Natriumpropyl-p-hydroxybenzoat
  • E 218 – Methyl-p-hydroxybenzoat
  • E 219 – Natriummethyl-p-hydroxybenzoat

 

FAZIT

Wenn ich höre, dass man künstliche Parabene im Blut nachweisen kann und die Konzentration mit der Anzahl der verwendeten Kosmetikprodukten steigt (Studie von Forscher Torkjel M. Sandanger), sagt mir mein Verstand einfach, die gehören da nicht hin! Gut finde ich, dass Dänemark Parabene in Babypflegeprodukte verboten hat. Wenn es doch anders geht, warum dann fragliche Inhaltsstoffe verwenden??

 

Quellen


Meine zwei letzten Beiträge "Umstrittene INCI":


Wie steht ihr zu Parabenen?

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Kommentare: 4
  • #1

    Maja (Montag, 09 November 2015 19:22)

    Super interessanter Beitrag! Mir hat dieser Post das Thema wirklich näher gebracht, vorher habe ich die Diskussion darüber nicht mal ansatzweise nachvollziehen können. Das macht jetzt einiges klarer für mich. :)
    Die App finde ich auch sehr interessant, habe ich mir gleich mal genauer angeschaut. Gerne mehr von solchen Beiträgen! Sehr informativ und gut geschrieben! :)

    Liebste Grüße
    Maja

  • #2

    Jenny Zeitvertreib (Dienstag, 10 November 2015 07:34)

    Danke Maja für die lieben Worte. Freut mich sehr, dass du den Beitrag aufschlussreich findest :-) Mir ging es vor der Recherche übrigens genauso! lg Jenny

  • #3

    Was macht Heli? (Mittwoch, 23 Dezember 2015 14:37)

    Ich kann jetzt nur für Parabene in Kosmetik sprechen, weil das mein Steckenpferd ist.

    Mich irritiert, das man einen so großen Unterschied macht, von Stoffen, die man auf die Haut aufträgt und in denen minimal wenig potentiell wirksame Stoffe drin sind. Und dann isst man Soja. Da sind Phytoöstrogene drin. Die isst man! Und darüber soll man sich keine Gedanken machen?

    Ich finde, da wird oft mit zweierlei Maß gemessen. Sachen, die oberflächlich in winzig kleinen Dosen auf die Haut kommen und oft sowieso abgespült werden. Und andererseits Phytohormone in Soja, Leinsamen, Granatapfel, usw.

    Erdbeeren enthalten übrigens von Natur aus Parabene. Auch hier: die ESSE ich. Die kommen also in meinen Körper und nicht nur auf die Haut.

    Ich kann mich doch nicht wegen Parabenen in meinem Shampoo verrückt machen und gleichzeitig mit Freude Erdbeeren essen oder Leinsamen ins Müsli kippen. Kann man diesen Gedankengang nachvollziehen?

  • #4

    Jenny Zeitvertreib (Mittwoch, 23 Dezember 2015 16:04)

    Hallo!
    Danke für deinen kritischen Kommentar.
    Für mich sind Parabene kein k.o. Kriterium, schon gar nicht bei Produkten, die man, wie du es schon sagst, von der Haut wäscht.
    Trotzdem ess ich lieber ein paar Erdbeeren mehr als die Parabene jeden Tag im Gesicht zu tragen. Denn wer sagt mir, wann sich genug in meinem Körper summiert hat? Es ist für mich also durchaus wichtig das Gesamte zu betrachten und vor allem, dass infomiert wird, was Parabene überhaupt sind. So vieles geht einfach an einem vorbei...
    Grüße