INCI: (Mikro) Plastik, Weichmacher und BPA

INCI: (Mikro) Plastik und Weichmacher

 

Macht es euch gemütlich!

 

Heute wird es ein wenig ausführlicher, denn Plastik ist ein riesen Thema in allen Bereichen. Es wird überall verwendet, belastet enorm die Umwelt und auch unserer Gesundheit dankt es uns nicht immer!


Was sind Kunststoffe?

Kunststoff, oder umgangssprachlich Plastik, besteht aus vielen kleinen, miteinander verknüpften chemischen Bausteinen. Die Rohstoffe dieser Bausteine sind meist Erdöl, Kohle oder Erdgas, obwohl es mittlerweile auch schon Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffquellen gibt. Es gibt sehr viele unterschiedliche Kunststoffe, die verschiedene Eigenschaften aufweisen. Um die gewünschten Eigenschaften zu erhalten werden oft Zusatzstoffe wie Weichmacher verwendet.

Die geläufigsten Kunststoffe:

 

Kunststoff

Kennzeichnung

Verwendung (Bsp.)

Polyethylen (PE)

Hoher Dichte = 02 oder HDPE

Geringer Dichte = 04 oder LDPE

Verpackungsfolie für

CD’s

Bücher

Papiertaschentücher

Tragetaschen

Haushaltsfolie

Polypropylen (PP)

05 oder PP

Verpackung von Lebensmitteln

Gaspedale

Gartenmöbel

Toilettendeckel

Polyvinylchlorid (PVC)

03 oder PVC

Fußbodenbelag

Fensterrahmen

Rohre

Kabelisolierungen

Polystyrol (PS)

06 oder PS

Styropo

Produktion von Lebensmittelverpackungen und

Einweggeschirr

Polyurethan (PU/PUR)

 

Schaumstoffe für

Autositze,

Matratzen

Schwämme

Polyethylenterephthalat (PET)

01 oder PET

Getränkeflaschen

Herstellung von

Haushaltsgeräten

Computern

Sicherheitsgurten                

Mehrschichtige Kunststoffe 07 oder Other Ketchupflaschen
Saftflaschen

 

Wie erkenne ich die einzelnen Kunststoffe?

Die Kennzeichnung von Kunststoffen ist keine Pflichtangabe, daher ist sie nicht auf allen Verpackungen zu finden. Wenn doch, erkennt man sie an diesen Symbolen (Bedeutung Tabelle oben).

Leider oft sehr klein und schwer leserlich oder sogar überdruckt. Meisten am Boden der Verpackung oder im Deckel. Aber nur durch diese Kennzeichnung können wir einschätzen, wie sicher die Verpackung ist. PVC enthält zum Beispiel oft Weichmacher, die sich aus der Verpackung lösen können. Viele mehrschichtige Kunststoffe enthalten BPA (dazu später mehr).

Mindestens 270.000 Tonnen Plastik schwimmen im Ozean und Millionen lagern wahrscheinlich auf dem Meeresboden.

Plastik und Umwelt

Plastik ist, obwohl man es recyceln kann, mittlerweile ein echtes Umweltproblem. Mindestens 270.000 Tonnen Plastik schwimmen im Ozean und Millionen lagern wahrscheinlich auf dem Meeresboden. Viele Strände sind mit Plastik überschwemmt, obwohl sie regelmäßig gereinigt werden. Die Tiere verenden an dem Müll, der ihnen den Magen verschließt. Besonders schlimm ist Mikroplastik, das man z.B. in Kosmetikprodukten findet.

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik wird unterschieden in primäres und sekundäres Mikroplastik. Primär bedeutet, dass kleinste Partikel (unter 5mm) produziert werden, die dann z.B. für Peeling, Schampon, etc. verwendet werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch die Zersetzung von Plastiktüten oder Reifenabrieb.

Warum ist besonders Mikroplastik so umweltschädlich?

Mikroplastik gelangt durch die Verwendung von Kosmetikprodukten ins Abwasser und wird von den Kläranlagen meist nicht gefiltert. Somit gelangt es auf unmittelbarem Weg in Flüsse und Meere. Das Mikroplastik lagert sich zum einen in den Mägen der Tiere ab und zum anderen sammeln sich an der Oberfläche der kleinen Partikel Giftstoffe, die die Tiere mit dem Plastik aufnehmen.

Woran erkenne ich Mikroplastik in Kosmetik?

An folgenden Bezeichnungen:

  • Polyethylen PE *
  • Polypropylen PP *
  • Polyethylenterephthalat PET *
  • Polyester (Polyester-1; Polyester-11) PES *
  • Polyamid (Nylon-12; Nylon-6; Nylon-66) PA *
  • Polyurethan (Polyurethan-2; Polyurethan-14; Polyurethan-35) PUR *
  • Polyimid (Polyimid-1) PI *
  • Ethylen-Vinylacetat-Copolymere EVA * **
  • Acrylates Copolymer AC **
  • Acrylates Crosspolymer ACS **
  • Polyquaternium-7 P-7 **

** flüssiges Mikroplastik * festes Mikroplastik

 

 

Eine super Übersicht über Kosmetikprodukte, die Mikroplastik enthalten, findet ihr hier Oder über Greenpeace.

Bioplastik ist mit einem Marktanteil von 1,5% (2013) noch sehr selten.

Was ist Bioplastik?

Bioplastik ist kein klar definierter Begriff. Das heißt, es kann Verschiedenes damit gemeint sein:

  1. Es wird aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt, wie Mais, Kartoffeln, Weizen, Zuckerrohr oder Holz; muss aber nicht zwingend biologisch abbaubar sein
  2. Es ist biologisch abbaubar; kann aber auch aus Erdöl hergestellt sein

Nicht immer ist beides der Fall! Biologisch abbaubare Kunststoffe dürfen sich kompostierbar nennen, wenn er innerhalb von 90 Tagen zu 90 Prozent in kleinste Teilchen zerfällt. Dann darf er auch das „Keimling“ Logo tragen.

Welche Vor- und Nachteile bringt Bioplastik?

 

Vorteile

Nachteile

Es werden keine fossilen Ressourcen benötigt

Anbauflächen, die zum Lebensmittelanbau dienen, gehen verloren (Verschwendung von Lebensmitteln)

Durch unterschiedliche Verfahren können unterschiedliche Kunststoffe gewonnen werden

Es kommen große Mengen Düngemittel zum Einsatz für den Anbau der Lebensmittel, die dann Boden und Umwelt mehr belasten als herkömmlich hergestelltes Plastik

Biologisch abbaubarer Biokunststoff zerfällt und belastet somit die Umwelt nicht

Oft wird Bioplastik trotzdem verbrannt, da er 12 Wochen benötigt um zu verfallen und die Lagerung oft max. 10 Wochen beträgt

 

Fazit: Auch Bioplastik sollte, wo es geht, vermieden werden.

Ca. 90% unseres Plastikmülls in Deutschland wird zwar wieder eingesammelt, aber nur 43% davon recycelt.

Recycling von Plastik

"Normales" Plastik ist nicht abbaubar und wird uns somit überdauern. Allerdings haben wir gute Möglichkeiten ihn wieder zu verwerten, also zu recyceln. In der Realität sieht es leider ein wenig anders aus. Ca. 90% unseres Plastikmülls in Deutschland wird zwar wieder eingesammelt, aber nur 43% davon recycelt. Das liegt daran, dass die Verpackungen oftmals aus Mischkunststoffen hergestellt werden. Diese zu trennen ist schwierig und vor allem teurer. Der günstigere Weg ist somit die Verbrennung (energetische Verwertung), die Strom und Wärme erzeugt. Das ist jedoch weniger sinnvoll, da somit die Ressourcen immer weiter aufgebraucht werden und bei der Verbrennung umweltschädliche Stoffe entstehen. Eine sehr gute Recyclingquote haben PET Flaschen! 

Welche gesundheitsschädlichen Stoffe stecken im Plastik?

Im Plastik können Phthalate (Weichmacher) und Bisphenol A (BPA) stecken. Beides sind hormonell wirksame Stoffe. Sie werden nahezu bei jedem Menschen im Blut nachgewiesen, obwohl sie natürlich für den menschlichen Organismus nicht notwendig sind. Im Gegenteil sie können das Hormonsystem durcheinander bringen. Eine Dokumentation von ZDFzoom zeigt, dass man den Gehalt an Phthalaten im Körper schon nach 1 Woche ohne Plastik (Verzicht auf Plastikverpackungen) um 30% senken kann!

Wie schädlich sind Weichmacher und BPA wirklich?

Die Schadstoffe sind im Plastik nicht fest gebunden und können somit auf Lebensmittel, Umwelt und Mensch übergehen. Weichmacher wirken giftig auf die Fortpflanzungsorgane, was zur Unfruchtbarkeit führen kann, außerdem können sie das Kind im Mutterleib schädigen.

 

BPA ist besonders gefährlich, da es schon in kleinsten Mengen schädlich wirken kann. Prof. Frederick vom Saal ist Zellforscher und gibt an, dass 98% der Studien über BPA eine schädliche Wirkung beweisen und zwar in Konzentrationen weit unter den zugelassenen Grenzwerten. BPA wird in Zusammenhang mit Fettleibigkeit (chemischer Dickmacher) und Verhaltensstörungen (Aggressivität und Hyperaktivität) gebracht. Vor allem für Kinder können BPA folgen haben, z.B. eine frühreife Entwicklung.

 

 

Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde BPA jedoch in Lebensmittelbedarfsgegenständen als unbedenklich eingestuft, da die aufgenommene Menge unter der gesundheitlich bedenklichen Menge liegt (Januar 2015). Es wird jedoch diskutiert, ob aufgrund der hormonähnlichen Wirkung kleine Mengen sogar gefährlicher sind als große Mengen BPA.

Wo findet man Weichmacher?

Phthalat-Weichmacher haben zahlreiche Bezeichnungen und Verwendungsmöglichkeiten.

 

Hier einige Beispiele:

DEHP

Diethylhexylphthalat

PVC, Gummi, andere Kunststoffe

DEP

Diethylphthalat

Druckfarben, Pestizide, Kosmetika (Filmbildner), Parfums, Deodorants, Lösungsmittel, Vergällungsmittel für Alkohol, pharmazeutische Produkte

DBP

Dibutylphthalat

Zellulose-Kunststoffe, Druckertinten, Lacke, Nagellacke, Klebstoffe, Klebebänder, Schaumverhüter, Kosmetika, Parfums, Deodorants, Benetzungsmittel in der Textilindustrie, pharmazeutische Produkte, Verpackungen

BBP

Benzylbutylphthalat

geschäumtes PVC, Transformatorflüssigkeit, Dichtmassen, Kosmetika (Filmbildner), Verpackungen, Kunstleder

DINP

Diisononylphthalat

PVC, Gummi, Tinten, Dispersionsfarben, Versiegelungen, Lacke, (Lebensmittel-)Verpackungen, Kfz-Bauteile

DIDP

Diisodecylphthalat

PVC, Dispersionsfarben, Lacke, Emulgatoren, Verpackungen

DIBP

Diisobutylphthalat

PVC

DCHP

Dicyclohexylphthalat

PVC

DOP

DNOP

Dioctylphthalat oder

Di-n-octylphthalat

PVC, Kondensatorflüssigkeit, Benetzungsmittel in Pestiziden, Kosmetika

DMP

Dimethylphthalat

Kosmetika, Parfums, Deodorants, pharmazeutische Produkte

 

Die Phthalate DEHP, DBP und BBP sind inzwischen europaweit in einigen Anwendungen verboten und zwar in:

  • Kinderspielzeug
  • Babyartikeln
  • Farben und Lacken
  • Kosmetikprodukte

Die Verwendung der Phthalate DINP, DIDP und DNOP ist untersagt in:

  • Spielzeug und Babyartikeln, die Kinder in den Mund nehmen können

Phthalate dünsten langsam, aber dauerhaft aus und erst wenn die Produkte porös werden, sind keine Phthalate mehr darin enthalten. Durch das ständige ausdünsten gelangen sie natürlich leicht in die Umwelt und unseren Organismus. Phthalate werden über die Atmung, über Lebensmittel und die Haut aufgenommen.

 

Vor allem in Innenräumen kann es zu einer hohen Belastung kommen. Dänemark hat z.B. 4 Weichmacher komplett in Innenräumen verboten.

 

Natürlich gibt es auch Grenzwerte für Phthalate, aber woher soll ich wissen, ob ich diese auch einhalte?

Phthalate und Lebensmittel

Phthalate können von der Lebensmittelverpackung auf das Lebensmittel über gehen. Bei einer Untersuchung von Lebensmitteln auf Phthalate wurden z.B. kleine Mengen in Joghurt, Schokolade, Tiefkühlgemüse und Kartoffelchips gefunden (unter dem Grenzwert).

 

Der höchste Anteil (aber immer noch unterhalb des Grenzwertes) wurde in Parmaschinken und Fertigsuppen gefunden. Die Weichmacher sind allerdings nicht durch die Verpackung aufs Lebensmittel gekommen sondern wahrscheinlich durch die Verarbeitung (z.B. Fließbänder aus PVC). In Wasser und Cola aus Plastikflaschen wurden keine Weichmacher nachgewiesen.

Phthalate in Kosmetik

Auch wenn einige Phthalate für Kosmetikprodukte schon verboten sind, können in Produkten wie Haarspray, Bodylotion, Nagellack, Seife noch andere Phthalate stecken. Ich habe bei meinen Produkten aber keine gefunden!

Wo findet man Bisphenol A?

Als Grundstoff zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat (PC) findet man BPA in zahlreichen Alltagsgegenständen:

  • Plastikgeschirr, Mikrowellengeschirr
  • Konservendosen (macht sie länger haltbar)
  • Getränkedosen und -flaschen
  • Thermopapier (z.B. Kassenbons, Fahrscheine, Parktickets)

In Babyflächen ist BPA mittlerweile verboten. Ein Verbot für Thermopapier wird noch diskutiert um Angestellte, die täglich damit zu tun haben, vorsorglich zu schützen.

Auch für Kinder scheint BPA ein echtes Problem zu sein.

 

Es wurden Messungen in Kindergärten gemacht und festgestellt, dass besonders hier sehr hohe BPA-Werte vorhanden sind. Wahrscheinlich durch die verbauten Materialien.

 

In Frankreich z.B. gilt schon ein Verbot für BPA in Lebensmittelverpackungen (seit Januar 2015). In Schweden wird sogar ein Totalverbot von BPA diskutiert.

BPA in Lebensmittel

Da BPA nicht fest im Plastik gebunden ist, kann es aufs Lebensmittel übergehen. In der Doku ZDFzoom wurde Kokosmilch und Brokkolicremesuppe auf BPA getestet, wobei die BPA-Werte deutlich unter dem Grenzwert lagen. In Wasser und Cola wurde kein BPA nachgewiesen. 

Warum ich Plastik reduzieren sollte!

Nicht nur die zwei bekannten und bedenklichen Inhaltsstoffe BPA und Phthalate im Plastik werden kritisch diskutiert. Umweltchemiker Prof. Michael Braungart erklärt, dass vor allem der Chemiecocktail bedenklich ist. In vielen Plastikverpackungen werden viele tausende Chemikalien verwendet. Für die wenigsten gibt es Grenzwerte und viele sind der Genehmigungsbehörde gar nicht bekannt. Marike Kolossa vom Umweltbundesamt in Deutschland rät ebenfalls dazu Plastikverpackungen zu meiden. Sehr interessant sind auch die Testergebnisse von Stiftung Warentest, wo z.B. der Weichmacher DEHA in eingepacktem Käse nachgewiesen wurde. Wen es interessiert, auch Babygläschen waren im Test.

FAZIT

Plastik ist für mich nach wie vor ein sehr nützlicher Stoff. Kosmetik aus Glasflaschen wäre für mich z.B. absolut undenkbar. Schließlich ist Plastik fast unkaputtbar und vor allem auch leicht und hygienisch. Trotzdem bin ich absolut dafür, da einzusparen wo es für jeden einzelnen möglich ist. Ich muss mein Obst und Gemüse nicht abgepackt kaufen und brauch auch nicht für jede Gemüsesorte eine einzelne Tüte. Auch Wasser kaufe ich gerne in Glasflasche, solange mir jemand die Wasserkiste trägt ;-). Schlimm finde ich, dass mittlerweile fast alles in Plastik verpackt wird, jedes Teilchen in einer anderen Plastiktüte. Muss das unbedingt sein? Sogar Werbeprospekte werden, damit sie nicht nass werden, in Plastiktüten verpackt!! Ganz wichtig finde ich, dass wir uns ein bisschen Mühe beim Recyceln geben und nicht alles in eine Tonne schmeißen, das ist doch einfach nur Gewohnheitssache! Bei den wirklich bedenklichen Stoffen können wir gar nicht so viel ausrichten. Ich kann mir nicht aussuchen, welcher Fußboden in meinem Büro liegt, mit welchem Papier ich arbeite und wie die Belastung in öffentlichen Gebäuden ist. Da ist wohl unsere Regierung gefragt!

Weitere wunderbare Beiträge zum Thema Plastik:

Und wenn ihr jetzt noch nicht genug vom Thema habt, schaut unbedingt bei diesen tollen Beiträgen vorbei:

 

Maria von widerstandistzweckmaessig bloggt einmal über das Kompostieren von Biomüll in Kompostieranlagen. Hier erfahrt ihr auch, warum Bioplastik keinen Sinn macht! LINK

Und Sie schreibt auch über das Recycling von Plastik. LINK

 

Jenni von MehralsGrünzeug hat auch einen wunderbar ausführlichen Blogbeitrag zum Thema Gesundheitsgefahr Plastik geschrieben. LINK

 

Wenn ihr noch Tipps zum Müll sparen braucht oder euch für zerowaste interessiert, dann schaut bei WastelandRebel vorbei.

 

Quellen

Letzte Änderung: 13.08.2016


Meine zwei letzten Beiträge zum Thema "Umstrittene INCI":


Was macht ihr um Plastik zu sparen?

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrin (Dienstag, 01 November 2016 23:05)

    Super Seite!

  • #2

    Jenny Zeitvertreib (Mittwoch, 02 November 2016 07:09)

    Danke, freut mich :-)