INCI: Palmöl

INCI Palmöl

 

 Wer die Codecheck App nutzt, hat sich vielleicht schon gewundert, warum Palmöl als nicht geeignet gekennzeichnet wird!?

 

Palmöl ist erstmal nicht schädlich und hat auch keine schlechten Pflegeeigenschaften.

 

Codecheck möchte hier "nur" auf die Umweltfaktoren hinweisen! Auch andere Stoffe, die aus Palmöl hergestellt wurden, sind rot gekennzeichnet, z.B. Fettalkohole.


60 Millionen Tonnen Palmöl werden weltweit produziert und auf 17 Millionen Hektar angebaut. (FAO 2014)

Was ist Palmöl und warum ist es so beliebt?

Palmöl wird aus den Ölfrüchten der Ölpalme gewonnen. Die Ölherstellung ist sehr billig und ertragreich. Daher wird Palmöl in der Kosmetikindustrie als bezahlbare Alternative für Mineralöl verwendet. Noch viel größer ist die Palmölverwendung in der Lebensmittelindustrie.

Eigenschaften von Palmöl grafische Darstellung
Verbrauch an Palmöl im pharmazeutisch/ chemischen Bereich 155.000 Tonnen (2013)

Wo wird Palmöl eingesetzt?

In der Lebensmittelindustrie ist Palmöl mittlerweile kennzeichnungspflichtig. Es wird zum Beispiel eingesetzt in:

  • Margarine
  • Kuchen
  • Chips
  • Suppen
  • Saucen
  • Pommes
  • Cremes (Nuss-Nougat, Mandel, Kokos)

Im Kosmetikbereich ist Palmöl noch nicht kennzeichnungspflichtig und kann sich hinter vielen verschiedenen Inhaltsstoffen verstecken. Eingesetzt wird es fast überall:

  • Hautcreme
  • Seife
  • Sonnencreme
  • Körperlotion
  • Lippenstift

Eine genaue Liste mit palmölhaltigen und potenziell palmölhaltigen Inhaltsstoffen in Kosmetik und Reinigungsmittel, auch zum Ausschneiden für den Einkauf, findet ihr als Download bei Umweltblick.

 

Hier eine kurze Auflistung der Inhaltsstoffe in Kosmetik, die Palmöl enthalten können:

Auflistung Inhaltsstoffe in Kosmetik, die Palmöl enthalten können
Verbrauch an Palmöl in der Futtermittelindustrie 160.000 Tonnen (2013)

Des Weiteren wird Palmöl eingesetzt als/in:

  • Schmiermittel
  • Kerzen
  • Farben
  • Lacken
  • Futtermittel
  • Pharmaindustrie
  • Reinigungsmittel
  • Waschmittel
  • Kraftstoff
In den letzten 100 Jahren ist der Bestand an Orang-Utans um 91% geschrumpft

Welche Auswirkungen hat Palmöl auf die Umwelt?

Die hohe Nachfrage führt dazu, dass immer größere Flächen Regenwald gerodet werden um Palmölplantagen zu pflanzen.

 

Das hat für die Umwelt einige Nachteile:

  • Es entstehen Monokulturen. Durch diese stirbt die Tiervielfalt aus, vor allem die Orang Utans sind betroffen, sowie die Sumatra-Tiger.
  • Schädlinge nehmen zu, da ihre natürlichen Feinde aussterben. Dadurch extrem hoher Einsatz von Pestiziden nötig.
  • Die Rodung vernichtet nicht nur zahlreiche Tiere sondern fördert auch den Treibhauseffekt, da das gespeicherte CO2 aus Torfböden und Pflanzen freigesetzt wird.
  • Organischer Abfall der Palmen wird verbrannt und fördert ebenfalls den Treibhauseffekt

Mittlerweile gibt es auch nachhaltig produziertes Palmöl. Daher ist Bio-Palmöl bei Codecheck grün gekennzeichnet.

Kennzeichnung von Palmöl bei Codecheck

Was bedeutet RSPO-zertifiziertes oder Bio-Palmöl?

RSPO steht für Round Table for Sustainable Palmoil. Der RSPO gibt Mindeststandards an, die beim Anbau und Handel mit Palmöl eingehalten werden sollen. Das Ganze ist freiwillig und somit sehr umstritten. Der RSPO fasst um die 2.000 Mitglieder, wobei es nicht genügt nur Mitglied zu sein. Ein Unternehmen muss entweder zertifiziertes Palmöl kaufen oder selbst produzieren. Der RSPO fordert auch auf, noch weitere Kriterien über die Mindeststandards hinaus zu erfüllen.

 

Die Mindeststandards sind:

  • Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten auf der Plantage,
  • Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von Wald),
  • Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
  • Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer.

Zusätzlich gefordert wird:

  • kein Anbau auf Torfböden,
  • kein Einsatz von hochgefährlichen Pestiziden
  • Veröffentlichung der Treibhausgasemissionen der Plantagen
  • Bezug von Palmfrüchten aus nachweisbar legalen Quellen

Welche Unternehmen/ Hersteller zertifiziert wurden und nach welchen Maßstäben könnt ihr genau im "Palmölcheck 2015" des WWF nachlesen (PDF Datei).

Nur 2% der Waldflächen sind unberührt und gelten als Primärwälder. Sekundärwälder bieten jedoch ebenfalls wichtigen Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere.

Neben RSPO-zertifizierten Palmöl gibt es noch jede Menge andere Siegel und eben auch Bio-Palmöl. Bio zeichnet sich ja vor allem dadurch aus, dass keine Pestizide eingesetzt werden. Welche genauen Bedingungen aber für Palmöl zusätzlich gelten, konnte ich nicht herausfinden. Einige genauere Bestimmungen gibt es aber in Kombination mit den verschiedenen Siegeln. Bei der Verbraucherzentrale Hessen bekommt ihr eine wunderbare Übersicht über die Siegel bzw. Label mit dazugehörigen Kriterien (PDF Datei).

 

Ich bin der Meinung, dass uns das Bio-Siegel nur etwas bringt, wenn ich auch den kompletten Anbau- und Verarbeitungsprozess als Verbraucher verfolgen kann. Eine ganz gute Lösung dafür scheint das Unternehmen Rapunzel zu bieten sowie andere kleine Unternehmen. Diese kennen ihre Anbauflächen und Handelspartner vor Ort und setzen sich für diese ein. 

 

Eine echte alternative ist Bio-Palmöl für mich jedoch nicht. Die Massen kann Bio-Palmöl nicht abdecken, dafür müsste es genau so großflächig angebaut werden, wie das "normale" Palmöl auch und das ist eben einfach nicht nachhaltig! Wenn es kleine Betriebe gibt, die anständig anbauen, Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen schaffen, finde ich das toll. Hier reicht der Blick auf das Bio-Siegel allerdings nicht, hier sollte man selbst nochmal recherchieren, wie sich der "Palmölweg" nachvollziehen lässt. Der Grundsatz des Verbrauchers muss jedoch ganz klar lauten: Weniger Palmöl! Nicht zuletzt auch wegen den weiten Lieferwegen!

In den letzten 10 Jahren hat sich die Nachfrage an Palmöl verdoppelt. Tendenz steigend!

Quellen

Verlinkt bei: einfach.nachhaltig.besser.leben

Letzte Änderung: Juni 2016


Meine zwei letzten Beiträge "Umstrittene INCI":


Was haltet ihr von Bio- oder den RSPO-zertifizierten PaImöl? Wo habt ihr den höchsten Verbrauch an Palmöl zuhause?

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Kommentare: 2
  • #1

    Marlene (Sonntag, 10 Juli 2016 14:43)

    Hallo Jenny,
    danke für den Überblick. Es sieht irgendwie in den Statistiken so aus, dass mehr Palmöl verbraucht wird, als produziert wird. Kann man das auch künstlich herstellen? Was sind die Alternativen (Mineralöl ist auch keine Lösung, oder?). Super, dass du so viele Fakten bringst.
    Viele Grüße und Danke fürs Verlinken auf EiNaB!
    Marlene

  • #2

    Jenny Zeitvertreib (Sonntag, 10 Juli 2016 15:21)

    Hallo Marlene,
    man kann wohl palmölähnliche Stoffe künstlich herstellen. Genauer habe ich mich damit aber noch nicht befasst. In der Lebensmittelindustrie scheint es bisher keine geeignete Alternativen zu geben. Wir Verbraucher können aber dagegen wirken, indem wir möglichst unverarbeitete Produkte kaufen und viel selbst herstellen (siehe auch mein selbsrgemachtes Mandelmus